Hintergründe

Warum Medinetz?

Jährlich überqueren bis zu vier Millionen Menschen ohne gesetzliche Legitimation auf der Suche nach einer besseren Zukunft internationale Grenzen. Nach Schätzungen leben zwischen 500.000 und einer Million Menschen ohne eine gültige Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland.

Menschen ohne Papiere, die hier als illegalisierte MigrantInnen leben, haben nur einen sehr eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Zwar können sie über das Sozialamt einen Krankenschein bekommen, doch ist dies für sie mit einer Meldung an die Ausländerbehörde und damit einer möglichen Abschiebung verbunden.

Bis zur Gründung des Essener Medinetzes gab es in unserer Stadt keine Einrichtung, bei der Menschen ohne Papiere anonym und ohne Risiko einer Meldung an die Ausländerbehörde eine medizinische Versorgung erhalten können.

Über Uns

Als engagierte Gruppe ehrenamtlicher Ärzt*innen, Psycholog*innen, Studierenden, Sozialarbeit*innen, Krankenschwestern /-pfleger haben wir uns 2009 gegründet, um die medizinische Versorgung für Migrant*innen, Geflüchtete und Menschen ohne Papiere in Essen und der Metropolregion Ruhr zu verbessern. Wir verknüpfen dabei das Engagement einzelner niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, vermitteln und verhandeln mit Krankenhäusern.

Eine regelhafte Vollversorgung ist dabei naturgemäß nicht möglich, handelt es sich doch zumeist um Akut- und Notfallversorgung: Wir verstehen uns allerdings nicht als Lückenfüller, die dort einspringen, wo der Staat seiner Versorgungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und Menschenrechte mit Hürden belegt.

Wir suchen daher gemeinsam mit anderen Organisationen den Kontakt zur Politik, um auf die vorliegenden Missstände hinzuweisen und an einer dauerhaften Lösung dieses humanitären Problems konstruktiv mitzuarbeiten.

Medinetz Essen eV arbeitet eng mit Kosmidion – Praxis für Menschen ohne Papiere (http://kodako.de/kosmidion_essen.htm) zusammen. Menschen, die ohne anerkannten Aufenthalt bzw. ohne Krankenversicherung in Deutschland leben, können sich dort kostenlos von fachkundigen Ärztinnen und Ärzten medizinisch untersuchen und behandeln lassen. (Praxiszeiten freitags 8.30-10.30 Uhr, außer an Feiertagen). Die Sprechstunde findet im Philippus-Stift, Hülsmannstr. 17, 45355 Essen-Borbeck statt.

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen wurde unsere Arbeit wissenschaftlich untersucht. Der entstandene Reader mit dem Titel „Medizinische Versorgung von Migranten ohne Krankenversicherung im Ruhrgebiet – Die Rolle der öffentlichen und zivilen Akteure“ können Sie hier herunterladen.

Die Arbeit des Medinetzes wird von einer Vielzahl von ehrenamtlich engagierten Menschen unterstützt. Im Rahmen der Kulturhauptstadt Europa realisierte der Hamburger Künstler Boran Bouchhardt 2010 eine Installation im städtischen Raum, in der er sich mit der medizinischen Situation von Flüchtlingen und die Arbeit der Medinetze auseinandersetzte. Seine Arbeit ist im gesamten Stadtgebiet Essen sowie im Internet zu sehen.

Die Idee für das Medinetz Essen geht nicht zuletzt auf die Initiative sozial engagierter Medizinstudenten zurück. Für dieses Engagement wurde Medinetz im Jahr 2009 von der Universität Duisburg-Essen mit dem UniAktiv Preis ausgezeichnet.

Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

(Bertolt Brecht)